Angekommen, treff ich auf einen meiner Coaches, der mir mitteilt: Platz regenbedingt in schlechtem Zustand, Training heute unmöglich. Na toll, und für was hab ich jetzt 20 Rappen ausgegeben, um mich hierher zu bewegen? Was für ein beschissener Tag! Ich setze mich an den Spielfeldrand und starre ins nichts. 100'000 Gedanken im Kopf, doch irgendwie weigert sich mein Gehirn, zu denken. Da kommt mir plötzlich Quoimah entgegen, einer meiner U12-Jungs. Das typische Ende dieser ach so tragischen Geschichte wäre nun, das Quoimah an mir vorbei geht ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen, ich entnervt nach Hause geh, aufgrund meiner miesen Laune noch nen Streit mit meinen Mitbewohnern vom Zaun breche, verkochten Reis und eine zu scharfe Sauce zum Essen krieg, um schliesslich deprimiert in meinem Bett zu enden und nicht einschlafen zu können. Was für ein beschissener Tag!
Doch was ist schon typisch? Quiomah kommt mir mit einem fetten Smile entgegen und setzt sich neben mich. "Dominic, are you okay?" "Yeah well, somehow". Daraus entwickelt sich dann eines der wohltuendsten Gespräche, die ich je führen durfte. Nicht zwingend des Inhalts wegen, sondern vielmehr aufgrund der riesigen Herzlickeit, der Freude, der Unnverdorbenheit, die mir Quoimah entgegen bringt. Und nein, der Inhalt ist nicht ausschliesslich fröhlich. Beispielsweoise erzählt er mir von seinem verstorbenen Vater, den er über alles liebt, sowie von seinem Stief-Vater, der ihn schlecht behandelt. Solche Tatsachen machen diese unfassbare Fröhlickeit, welche meine Jungs an den Tag legen, noch viel unbegreiflicher, als sie es ohnehin schon ist.
Später stösst dann noch Charles, U14, hinzu. Und als dieser mir dann erzählt, wie er, wenn er Fussballprofi wird, den Armen in den rückständigen, oftmals vergessenen Dörfern ausserhalb Accra's zu helfen gedenkt, beginnt mein Herz endgültig zu schmelzen. Darauf stossen noch weitere Kids hinzu, und ich erlebe jene Momente, welche mich daran erinnern, weshalb meine Liebe für dieses Land so unbeschreiblich, unendlich gross ist; nichts und niemand wird sie jemals zum erlöschen bringen können.

Quoimah

Charles
