Mein Leben spielt sich ausschliesslich in englischer Sprache ab, und auch wenn mein Wortschatz in letzter Zeit frustrierenderweise zu stagnieren scheint, denke und träume ich aller meistens in dieser in ihren Grundlagen glücklicherweise seltsam einfachen Sprache.
Und wenn ich mich mit meinen Eltern oder sonst jemandem von zu Hause unterhalte, ringe ich verzweifelt nach einfachen Ausdrücken, jeder zweite Satz ist unvollständig und wirr. Quatsch, ganz so schlimm ist es noch nicht. Und deshalb habe ich nun,inspiriert von meiner guten Freundin Claire Fischer, welche sich derzeit wie ich in Ghana durchschlägt (www.crfischer.blogspot.com, äusserst lesenswert!), den waghalsigen Entschluss gefasst, einmal wöchentlich etwas hier rein zu kritzeln; zu erzählen gibt es schliesslich mehr als genug.
Seit dem 2. Januar dieses Jahres bin ich also wieder in Accra, Ghana, in dem Land, für welches mein Herz schlägt, in dem Land, welches mich wohl bis zu meinem Lebensende nicht mehr loslassen wird. Wenn ich so über die ganze Sache nachdenke, kommt mir das alles irgendwie unglaublich, ja unfassbar vor, wie ein nicht enden wollender Traum. Hätte mir jemand vor anderthalb Jahren einen solchen Weg prophezeit, hätte ich sie oder ihn zweifelsohne für unzurechnungsfähig erklärt.
Und nun bin da, liege auf meinem Bett irgendwo im Südosten Accras und versuche einigermassen verständlich niederzuschreiben, was sich hier so alles mache respektive zu machen gedenke, kurz, ich möchte alle, die sich zumindest ein ganz klein wenig dafür interessieren, an meiner Reise ins Ungewisse teilhaben lassen. Diese Reise hat mir schon manches Abenteuer beschert, und weitere warten wohl schon um die nächste Ecke. Und auch wenn mein Leben hier alles andere als ein Honigschlecken ist, bin ich von einer rational nicht erklärbaren Zuversicht erfüllt. Ja, auch wenn so manches oftmals hoffnungslos erscheint, gibt's da so eine innere Stimme, welche unaufhoerlich zu mir spricht und mich gerade dann ermutigt, wenn ich nicht mehr weiter weiss - die Kunst liegt nun darin, dieser Stimme auch wirklich Beachtung zu schenken sowie zu hoffen, dass sie am Ende Recht behaelt.
Doch bevor ich zum emotionalen Teil komme, möchte ich euch zuerst mit ein paar wissenswerten Facts beglücken, damit auch jeder ungefähr weiss, wo ich derzeit zu stehen glaube.
Fangen wir doch gleich mit dem Offensichtlichsten an:
Der Wechsel des Blog-Titels von Goals 4 Ghana in Wings for Ghana. Wieso das denn?
Die Erklärung dafür ist eigentlich simpel: Wings for Ghana „damit Ghanas benachteiligten Kindern und Jugendlichen Flügel wachsen“ ist ein neuer, von meinem Kumpel Simon Alasu und mir gegründeter Verein, welcher sich vorab die folgenden beiden Hauptziele gesteckt hat:
1.Allen Jungs des Cantonments FC, den ich derzeit im Auftrag einer britischen NGO leite, soll der kostenpflichtige Zugang zur Sekundarschule ermöglicht werden.
2.Wir sammeln neues und gebrauchtes, in jedem Falle aber brauchbares Fussball-Equipment, um einerseits die Cantonments-Jungs mit adäquatem Equipment zu versorgen, andererseits möglichst vielen Kids unabhängig von der Klubzugehörigkeit eine kleine Freude zu bereiten.
Derzeit besuchen dank des Engagements von Wings for Ghana bereits 11 der Cantonments-Jungs, welchen ohne finanzielle Unterstützung der Zugang zur Sekundarschule verwehrt bliebe, die St. Pauls Schule in Accras Stadtteil Labadi, eine Schule, welche für Ghanaische Verhältnisse einen äusserst akzeptablen Standard in Sachen Lehrpersonal und genereller Ausrüstung bietet.
Möglich wurde dies einerseits dank der Einnahmen aus dem Benefizkonzert „Simon DL & Friends for Ghana (an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Your Life Story, DPC & DJ Cut FX, Stego & Crew, ACP, Simon DL, Toby Trash & DJ Jozhee, sowie Johner & daeWue), andererseits dank diversen Spenden aus meinem privaten- und ehemals beruflichen Umfeld.
Ziel von Wings for Ghana ist es, den Jungs eine optimale Kombination von Bildung und Fussball zu ermöglichen. So wurde für die „Academy-Boys“ (so werden die Jungs an ihrer Schule respektvoll genannt) ein spezieller Stundenplan erstellt, welcher ihnen nach wie vor die Teilnahme am täglichen Training ermöglicht. „Bildung durch Fussball“ ist wohl die treffendste mir bisher unter die Ohren geriebene (so viel zu meinen eingebüssten sprachlichen Fähigkeiten ;-) )Beschreibung meiner Idee.
Klar, der Fussball geniesst einen hohen Stellenwert, und die begabtesten Jungs sollen den Traum, Profi zu werden, leben können, aber ohne das „Attachement“ Bildung ist der Fussball wertlos.
Ein Video, welches euch die 11 Schuljungs in Bild und Ton und damit auf fassbarere Art und Weise näher bringen wird, wir demnächst online zur Verfügung stehen.
Zudem steht eine Unmenge an gespendetem Fussballmaterial bereit und wartet sehnlichst darauf, dass sich ein Sammelcontainer füllt, um schlussendlich meine Jungs zum strahlen zu bringen.
Natürlich unterstütze ich nach wie vor auch die Goals-4-Ghana-Jungs, welche von Chicago aus grossartige Arbeit leisten (www.goals4ghana.org). Ich bin quasi ihr Repräsentant in Ghana, das heisst primär stelle ich sicher, dass Material aus den USA definitiv am Bestimmungsort ankommt und verteilt wird. Wings for Ghana und Goals 4 Ghana konkurrieren sich nicht. Wir arbeiten zusammen.
Das Zusammenspiel Projects Abroad / Wings for Ghana
Projects Abroad, eine britische NGO, ist mein Arbeitgeber, in dessen Auftrag ich den Cantonments FC (ca. 150 Kids, Jugendliche und junge Erwachsene, 5 Coaches) leite. Dieser ist in eine äusserst arme Gefängniswärter-Community integriert. Projects Abroad sendet einerseits westliche Volunteercoaches, welche die einheimischen Coaches mit zusätzlichem know-how, neuen Methoden und Ideen etc. unterstützen, andererseits wird ein monatliches Vereinsbudget zur Verfügung gestellt. Dieses deckt beispielsweise die Kosten für Getränke (während und nach dem Training, Matches), Transport zu Auswärtsspielen, zahlreiche Gebühren, die zwecks Teilnahme am städtischen Ligabetrieb anfallen, Behandlungen von Verletzungen und vieles mehr. Zudem wird mir ein für Ghanaische Verhältnisse mehr als akzeptables Salär bezahlt. Trotzdem rechne ich meinen Stundenlohn, basierend auf rund 60 Arbeitsstunden pro Woche, lieber nicht aus…;-)
Ich selbst war von Oktober 2008 bis März 2009 als Volunteer für Projects Abroad tätig, bevor ich schliesslich 10 Monate später als Angestellter zum insgesamt dritten Mal nach Ghana zurückkehrte.
Offen gesprochen war es alles andere als einfach, betreffend gewisser Dinge einen Konsens zu finden. Entscheidend für mein Engagement war letztenendes wohl die Zusammenarbeit mit meinem guten Freund David, welcher mir ebenfalls im Dienste von Projects Abroad mit Rat und Tat zur Seite steht.
Kurz und bündig sieht die ganze Sache dann wie folgt aus: Projects Abroad schafft die Vereinsstrukturen und stellt die finanziellen Mittel zur Vereinsführung bereit (dabei handelt es sich um mehr Geld als man anzunehmen geneigt sein könnte), zudem bemüht man sich, westliches Coaching-know-how miteinzubringen. Wings for Ghana unterstützt dies (gemeinsam mit Goals 4 Ghana, ehemaligen Volunteers etc.) mit Fussballutensilien. Hauptaugenmerk liegt jedoch darauf, den Jungs, die ich während meiner Zeit als Volunteer ausnahmslos in mein Herz geschlossen habe, den kostenpflichtigen Schulzugang zu ermöglichen, um somit Perspektive für diejenigen zu schaffen, welche jenseits sämtlicher Privilegien in Umständen aufwachsen, welche mich von Anfang an erschütterten und den Wunsch in mir auslösten, etwas von dem unverdienten Privileg, in materiellem Wohlstand aufgewachsen zu sein, zurückzugeben – ja, effektiv 1 zu 1 zu 1 mitzuerleben ist etwas ganz anderes, als davon zu hören oder Bilder im TV oder sonstwo zu sehen.
Man kann es nun, je nach persönlichem Gutdünken, Schreibmüdigkeit oder Faulheit nennen, aber den emotionalen Teil verschiebe ich auf in ein paar Tagen – man möge es mir verzeihen.

Hey Dude
AntwortenLöschenMega cool vo dir zghöre.
Bin ja gspaant was das no alles für Frucht bringt. :-)
Bin letzti im Mirgos Brunaupark xi und han müese a dich denke. :-)
Gruess us EY
Sämi
guter junge, dom!
AntwortenLöschenwir hier in basel geben uns mühe, dass bald ein paar mehr der jugendlichen auf die schule gehen können.
bis dahin benötigen wir noch filmmaterial von dir :-)
grüsse,
f.