Sonntag, 28. März 2010

Vom Druck, ein Weisser zu sein

Die Menschen in Ghana kämpfen. Sie leiden. Sie hoffen. Sie beten. Teilweise resignieren sie. Die grosse Mehrheit hat, wenn überhaupt, brutal hartes Brot zu beissen. Ja, so sieht die bittere Realität hier aus, und alles andere ist Illusion derjenigen, welche noch nie einen Fuss auf diesen geheimnisvollen Kontinenten gesetzt haben sowie der Afrika-Touristen, welche die Menschen hier, wenn ueberhaupt, nur oberflächlich wahrnehmen, da sie 95% ihres Urlaubs im Luxushotel verbringen. Und wenn sie es wagen, die Komfortzone zu verlassen, dann nur mit persönlichem Fahrer und Security.

Versucht man, an der Oberfläche zu kratzen, sitzt man zusammengepfercht in einem klapprigen Minibus umgeben von leeren Blicken, Verzweiflung, Leid, Hoffnungslosigkeit. Und wenn ich mal in einem Taxi Platz nehme und mich angeregt mit dem Fahrer unterhalte, geht es, nach kurzem Small Talk, immer um das Selbe. Die Regierung kümmert sich einen Scheissdreck um uns, denen geht es nur darum, ihre Familienclans bei Laune zu halten und möglichst viel Geld in der eigenen Tasche verschwinden zu lassen. Wir haben alle Rohstoffe, doch vom Erlös sehen wir nichts. Zudem sind wir untereinander zerstritten und misstrauisch. Jeder schaut nur für sich selbst und trachtet einzig und allein nach dem eigenen Vorteil. Klammer auf: Eine Ausnahme scheinen die im Landesinneren sesshaften Ashanti darzustellen. „Ja die Ashanti, die sind anders als wir, die Gas. Die helfen sich untereinander.“ Das hab ich mehr als einmal gehört, und es macht Sinn, denn aus irgendeinem Grund muss es ihnen möglich gewesen sein, ihr Reich jahrelang erfolgreich gegen die Kolonialmächte zu verteidigen. Klammer zu.

Ja, und dann kommt der Weisse. Und obwohl Weisse in Accra alles Andere als eine Seltenheit sind, spürst du sie. Die Blicke. Da ist Misstrauen, da ist Neugier, da ist Hoffnung, da ist ab und an sogar Begeisterung (Vor allem von Kleinkindern)… da ist aber auch Hass, da ist Dunkelheit. Manchmal nimmst du sie kaum, manchmal plötzlich ganz stark wahr. Aber sie sind immer da. Und oftmals ist es so, dass du sie nach einem unangenehmen Erlebnis, mag es auch nur eine Bagatelle sein, richtig krass spürst - wie eine Last, die loszuwerden ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Da sind die bereits zitierten Kleinkinder. Sie sind immer da, total aufgeregt rufen sie „Obruni, Obruni, Obruni (Weisser), und winken dir zu. Und auch nach dem ultimativen Scheisstag versuchst du, ein gequältes Lächeln hinzukriegen und zurückzuwinken, denn dann sind die Kleinen schon zufrieden und rennen begeistert davon. Im Grunde mag ich die Kleinen, sie sind so rein, so unverfälscht, so echt, so unkompliziert.

Da ist dein Tro-Tro-Sitznachbar. Irgendwann fängt er ein stereotypes Gespräch mit dir an, wobei am Ende nach deiner Nummer gefragt wird. Einmal hab ich erwidert, ich hätte kein Handy, 10 Sekunden später hats unglücklicherweise geklingelt. Seitdem geb ich dann eben meist meine Nummer, und speichere die meines neuen Freundes unter „don’t pick“, „nicht abnehmen“. Der Freund wird dich in den nächsten 2-3 Tagen ca. 100 Mal anrufen, bevor er aufgibt. Was er möchte? Dein Freund sein, denn er hofft, finanziell von dir zu profitieren, Geschäfte mit dir zu machen, dich mit seiner Schwester zu verheiraten, ein Visum für dein Heimatland zu kriegen. Dabei wird dann immer dieselbe Masche angewandt, um dir ins Gewissen zu reden. „Gott hat dich mir gesandt, du bist wie ein Engel für mich, soooooo lange habe ich gebetet, dass genau du über den Weg läuft“. Ich hasse das!

Dann gibt es natürlich auch all die anderen willkürlichen Fremden, denen du irgendwie begegnest, die Händler, die dir ihre Ware zu überteuerten Preisen andrehen wollen, die Prostituierten, die dich jagen, die Bettler, die sich auf Weisse stürzen. Du gewöhnst dich daran, denn mit der Zeit entwickelst du eine dicke Haut sowie eine gewisse Selbstsicherheit. Dein Gang, dein Gesichtsausruck, deine Kleidung, all das macht einiges aus.

Am schwierigsten sind diejenigen, die du liebst, konkret, die Jungs, für deren Zukunft ich mein Leben gebe. Ihre Augen, ein Mix aus Erwartung, Hoffnung und Flehen, wenn sie mit ihren Nöten zu dir kommen. Ja, das ist etwas, was ich hier gelernt habe: Du kannst einiges aus des Menschen Augen heraus lesen. „Ich bitte dich, tu ein Wunder, schenk mir ein Leben“. Das ist ein solch riesiger Druck, denn du willst allen helfen, die dir am Herzen liegen. Und das sind nicht Wenige. Aber du kannst es nicht. Und du beginnst, dir Vorwürfe zu machen. Dein Gewissen quält dich und lässt dich Nächte lang nicht schlafen. Und so gelangst du an den alles entscheidenden Punkt: Entweder wirst du nun zum Ping Pong Ball deiner Emotionen, du wirst hin- und her geschleudert, oder du behältst die Kontrolle. Entweder du endest in einem stetigen auf und ab, bei dem das „ab“ je länger je stärker dominiert, oder du bleibst emotional stabil und akzeptierst, dass auch du nur ein Mensch bist und kein weisser Magier, der nur mit den Fingern zu schnipsen braucht, und schon ist alles besser. Die Kunst besteht ganz einfach darin, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten das Maximum herauszuholen und dabei der Seele und dem Körper Sorge zu tragen, denn ein Überstrapazieren der eigenen Kräfte führt meist zu einer kontraproduktiven Wirkung. Die Zeit, in der der Rahmen gesprengt und die Dimensionen nicht nur erweitert, sondern von Grund auf erneuert werden, sie wird kommen. Und bis dahin gilt das, was ein guter Freund auf einen meiner glücklicherweise eher seltenen Jammeranfälle erwiderte: „Don’t you have faith?“

Vor 2 Tagen kam mein talentiertester Junge, der 16-jährige Ebenezer, nach dem Training zu mir. Mit funkelnden Augen fragte er mich: „Dominic, when am I leaving Ghana?“

Freitag, 19. März 2010

Warum...

...ist es so, dass wir hier jeden Monat X-hundert Franken für Ausgang, Shopping und sonstigen unnötigen Stumpfsinn ausgeben, und gleichzeitig sind 30 Franken im Monat, womit man einem benachteiligten Jugendlichen in Ghana den Schulzugang ermöglichen könnte und ihm somit die Chance auf ein würdiges Leben schenken würde, zu viel des Guten?

Versteht mich nicht falsch, dies soll keine Bettel-Note sein, um an Geld für mein Projekt in Ghana zu kommen - das hab ch nicht nötig, auch wenn mir die ganzen leeren "wow, so cool, dass du armen Menschen in Afrika hilfst, gerne Spende ich auch einen kleinen Betrag" Versprechungen langsam zum Hals, den Ohren und der Nase heraus wachsen. Ich lechze auch nicht nach Aufmerksamkeit wie die Meisten Dauer-Internet-Vollspammer. Ansehen und Bewunderung sind mir Scheissegal, denn was andere von mir halten interessiert mich nicht, und mit meinem Projekt geht es mir einzig und allein darum, denen, die mir am Herzen liegen, auf die Sprünge zu helfen.

Es kann aber sein, dass das hier ein Ventil für meine angestaute Frustration ist, denn mir geht ganz einfach unser Lifestyle hier brutal auf den Sender!Am Montag Vormittag bin ich in der Schweiz gelandet, und bereits hab ich mir wieder all diese beschissenen Gespräche über unsere ach so schlimmen Probleme anhören müssen: Der iPod, der schon nach 3 Stunden keinen Akku mehr hat, der Zug, der heute zum dritten Mal hintereinander 5 Minuten Verspätung hatte, der süsse Typ im Ausgang, der mit der anderen Bitch anstatt mit mir rumgeknutscht hat, "ah man, euse Lehrer isch sonen Mongo, 30 Siite müemir läse bis morn" ... Verdammt, sei doch besser mal froh, dass du zur Schule gehen darfst, denn dass ist nicht ganz so selbstverständlich wie du glaubst! In Ghana würden Hunderttausende Mädchen und Jungs alles dafür geben, zur Schule gehen zu dürfen!

Wenige Stunden zuvor war ich noch in einem Land, in dem man ein klein wenig existenziellere Sorgen hat als hier: Da ist Ishmael, mein 18-jähriger Freund, dessen Vater nach dem Tod seiner Mutter mit einer anderen Frau durchgebrannt ist und seine Kinder im Stich liess. Ishmael wird in den nächsten Tagen von zu Hause rausgekickt, weil er sich die Monatsmiete von CHF 20 nicht leisten kann. Der Junge steht buchstäblich vor dem Nichts. Da ist die derzeitige Wasserknappheit, welche mich 5 Tage lang nicht duschen liess. Natürlich gabs für mich immer genügend zu trinken, für Andere wohl aber kaum...

Leute, wacht langsam (nein, besser schnell!) auf! Es ist verdammt nochmals ein solch riesiges Privileg, in einem Land wie der Schweiz aufzuwachsen, aufgewachsen zu sein und zu Leben! Womit haben wir das denn verdient? Den Lotto-Jackpot haben mir doch schon gewonnen! Wir haben alles, und dennoch, wenn ich durch Zürich laufe, nichts als leere Gesichter...! Und in ein paar Tagen laufe ich wieder durch Accra und sehe trotz riesiger materieller Armut soviel Lebensfreude. Klar, mein Quervergleich hinkt ein wenig, und auch hier ist nicht alles einfach, aber trotzdem...

Wisst ihr was, ich war einmal mit einem meiner Fussballjungs im Krankenhaus, weil er sich die Schulter gebrochen hatte. Als ich da reinkam, sah ich 3 verschiedene "Gruppen". 1. Die hoffnungslosen Fälle, Leute, denen mit den im Spital vorhandenen (unzureichenden) Mitteln nicht mehr zu helfen war. 2. Diejenigen, um deren Leben so gut es irgendwie geht gekämpft wird. 3. Die meist Schwerverletzten, welche, obwohl unter üblen Schmerzen leidend, sich nicht in Lebensgefahr befinden. Zu denen mussten wir uns dann gesellen. Der Junge schrie vor Schmerz, doch wir mussten 4 Stunden warten, bis wir dran kamen...

Man, 7 Flugstunden von hier entfernt ist das Leben für einen Grossteil der Menschen ein einziger Überlebenskampf! Viele der Jungs, mit denen ich arbeite, wissen am morgen nicht, ob sie sich am Abend mit einigermassen vollem oder total leerem Magen schlafen legen werden. Und wir motzen, wenn das Essen in der Kantine nicht dem gewünschten Standard entpsricht, wenn die Auswahl im Kühlschrank mal nicht so riesig, das Entrecote ein bisschen zu wenig durchgebraten ist. Ist das nicht pervers?

Jemand in Ghana hat mir mal folgendes gesagt. "Wenn ich am Abend nach Hause komme und sehe, dass es nichts zu essen für mich geben wird, gehe ich raus, habe Spass mit Freunden, komme zurück, trinke Wasser und gehe schlafen". Ja, der Schlaf des Besitzlosen ist auch mit leerem Magen süss, der Reiche findet jedoch, beladen mit all den Sorgen um seine Besitztümer keinen ruhigen Schlaf - Immerhin ein ganz klein wenig Gerichtigkeit.

Mir geht auch die ganze Theoretisiererei über Globalisierung und Entwicklungspolitik, welche man hierzulande vornehmlich in der Politik zu hören bekommt, abartig auf den Geist. Die ganze elende Besserwisserei ist sowas von zum Kotzen. Gleichzeitig verkaufen wir unseren hochgiftigen Computermüll nach Ghana, damit in den Dörfern vor den Toren Accras kleine Kinder elendig verrecken. Wir senden den Abfall unseres Hühnerfleisches nach Westafrika, damit die Bauern ihres nicht mehr verkaufen können. Und sonst? Hört doch auf mit der Heuchelei, im Grunde kümmern wir uns hier doch einen Scheiss um Andere, uns gehts einzig und allen um uns Selbst, um unseren Komfort. Und zur Gewissensberuhigung Spenden wir vor Weihnachten vielleicht mal einen Foifliiber an irgendeine wohltätige Organisation. Alle Achtung, ich gratuliere!

Wann sehen wir Schwachmaten denn endlich ein, dass Geben soviel Glücklicher macht als Nehmen? Das Gefühl, welches mich erfasst, wenn den 11 Jungs bei meinen Schulbesuchen jeweils ein fetter Smile ins Gesicht geschrieben steht, ist nicht in Worte zu fassen - es ist echtes, wahres Glück, soviel besser als der ganze Bling-Bling-Schein; wohin hat uns denn unser ach so toller Lifestyle geführt? Zu einer der weltweit höchsten Selbstmordraten vielleicht, und sonst?

Schätzt das Privileg, hier leben zu dürfen, freut euch an den kleinen immateriellen Dingen, welche das Leben effektiv ausmachen, gebt einen Fuck auf Statussymbole wie Autos, Häuser und die hübsch-aufgetakelte Freundin - das Leben bietet soviel mehr, verschwendet es nicht, indem ihr von einer zerplatzten Seifenblase zur nächsten hetzt! Ich habe fertig :)

Dienstag, 9. März 2010

Ein klein wenig update...

Ja ich weiss, ich war bisher extrem faul was das Aktualisieren meines Blogs angeht. Wahrscheinlich fürchtete ich mich zu sehr davor, dass mir das bisschen Wortwitz und Sprachgewandtheit, welches mir mehr oder weniger in die Wiege gelegt wurde, aufgrund mangelnder Praxis der deutschen Sprache abhanden gekommen ist - Das mag vielleicht lächerlich klingen, aber es ist so!

Mein Leben spielt sich ausschliesslich in englischer Sprache ab, und auch wenn mein Wortschatz in letzter Zeit frustrierenderweise zu stagnieren scheint, denke und träume ich aller meistens in dieser in ihren Grundlagen glücklicherweise seltsam einfachen Sprache.
Und wenn ich mich mit meinen Eltern oder sonst jemandem von zu Hause unterhalte, ringe ich verzweifelt nach einfachen Ausdrücken, jeder zweite Satz ist unvollständig und wirr. Quatsch, ganz so schlimm ist es noch nicht. Und deshalb habe ich nun,inspiriert von meiner guten Freundin Claire Fischer, welche sich derzeit wie ich in Ghana durchschlägt (www.crfischer.blogspot.com, äusserst lesenswert!), den waghalsigen Entschluss gefasst, einmal wöchentlich etwas hier rein zu kritzeln; zu erzählen gibt es schliesslich mehr als genug.

Seit dem 2. Januar dieses Jahres bin ich also wieder in Accra, Ghana, in dem Land, für welches mein Herz schlägt, in dem Land, welches mich wohl bis zu meinem Lebensende nicht mehr loslassen wird. Wenn ich so über die ganze Sache nachdenke, kommt mir das alles irgendwie unglaublich, ja unfassbar vor, wie ein nicht enden wollender Traum. Hätte mir jemand vor anderthalb Jahren einen solchen Weg prophezeit, hätte ich sie oder ihn zweifelsohne für unzurechnungsfähig erklärt.

Und nun bin da, liege auf meinem Bett irgendwo im Südosten Accras und versuche einigermassen verständlich niederzuschreiben, was sich hier so alles mache respektive zu machen gedenke, kurz, ich möchte alle, die sich zumindest ein ganz klein wenig dafür interessieren, an meiner Reise ins Ungewisse teilhaben lassen. Diese Reise hat mir schon manches Abenteuer beschert, und weitere warten wohl schon um die nächste Ecke. Und auch wenn mein Leben hier alles andere als ein Honigschlecken ist, bin ich von einer rational nicht erklärbaren Zuversicht erfüllt. Ja, auch wenn so manches oftmals hoffnungslos erscheint, gibt's da so eine innere Stimme, welche unaufhoerlich zu mir spricht und mich gerade dann ermutigt, wenn ich nicht mehr weiter weiss - die Kunst liegt nun darin, dieser Stimme auch wirklich Beachtung zu schenken sowie zu hoffen, dass sie am Ende Recht behaelt.

Doch bevor ich zum emotionalen Teil komme, möchte ich euch zuerst mit ein paar wissenswerten Facts beglücken, damit auch jeder ungefähr weiss, wo ich derzeit zu stehen glaube.

Fangen wir doch gleich mit dem Offensichtlichsten an:

Der Wechsel des Blog-Titels von Goals 4 Ghana in Wings for Ghana. Wieso das denn?

Die Erklärung dafür ist eigentlich simpel: Wings for Ghana „damit Ghanas benachteiligten Kindern und Jugendlichen Flügel wachsen“ ist ein neuer, von meinem Kumpel Simon Alasu und mir gegründeter Verein, welcher sich vorab die folgenden beiden Hauptziele gesteckt hat:

1.Allen Jungs des Cantonments FC, den ich derzeit im Auftrag einer britischen NGO leite, soll der kostenpflichtige Zugang zur Sekundarschule ermöglicht werden.

2.Wir sammeln neues und gebrauchtes, in jedem Falle aber brauchbares Fussball-Equipment, um einerseits die Cantonments-Jungs mit adäquatem Equipment zu versorgen, andererseits möglichst vielen Kids unabhängig von der Klubzugehörigkeit eine kleine Freude zu bereiten.


Derzeit besuchen dank des Engagements von Wings for Ghana bereits 11 der Cantonments-Jungs, welchen ohne finanzielle Unterstützung der Zugang zur Sekundarschule verwehrt bliebe, die St. Pauls Schule in Accras Stadtteil Labadi, eine Schule, welche für Ghanaische Verhältnisse einen äusserst akzeptablen Standard in Sachen Lehrpersonal und genereller Ausrüstung bietet.


Möglich wurde dies einerseits dank der Einnahmen aus dem Benefizkonzert „Simon DL & Friends for Ghana (an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Your Life Story, DPC & DJ Cut FX, Stego & Crew, ACP, Simon DL, Toby Trash & DJ Jozhee, sowie Johner & daeWue), andererseits dank diversen Spenden aus meinem privaten- und ehemals beruflichen Umfeld.

Ziel von Wings for Ghana ist es, den Jungs eine optimale Kombination von Bildung und Fussball zu ermöglichen. So wurde für die „Academy-Boys“ (so werden die Jungs an ihrer Schule respektvoll genannt) ein spezieller Stundenplan erstellt, welcher ihnen nach wie vor die Teilnahme am täglichen Training ermöglicht. „Bildung durch Fussball“ ist wohl die treffendste mir bisher unter die Ohren geriebene (so viel zu meinen eingebüssten sprachlichen Fähigkeiten ;-) )Beschreibung meiner Idee.
Klar, der Fussball geniesst einen hohen Stellenwert, und die begabtesten Jungs sollen den Traum, Profi zu werden, leben können, aber ohne das „Attachement“ Bildung ist der Fussball wertlos.


Ein Video, welches euch die 11 Schuljungs in Bild und Ton und damit auf fassbarere Art und Weise näher bringen wird, wir demnächst online zur Verfügung stehen.

Zudem steht eine Unmenge an gespendetem Fussballmaterial bereit und wartet sehnlichst darauf, dass sich ein Sammelcontainer füllt, um schlussendlich meine Jungs zum strahlen zu bringen.


Natürlich unterstütze ich nach wie vor auch die Goals-4-Ghana-Jungs, welche von Chicago aus grossartige Arbeit leisten (www.goals4ghana.org). Ich bin quasi ihr Repräsentant in Ghana, das heisst primär stelle ich sicher, dass Material aus den USA definitiv am Bestimmungsort ankommt und verteilt wird. Wings for Ghana und Goals 4 Ghana konkurrieren sich nicht. Wir arbeiten zusammen.

Das Zusammenspiel Projects Abroad / Wings for Ghana

Projects Abroad, eine britische NGO, ist mein Arbeitgeber, in dessen Auftrag ich den Cantonments FC (ca. 150 Kids, Jugendliche und junge Erwachsene, 5 Coaches) leite. Dieser ist in eine äusserst arme Gefängniswärter-Community integriert. Projects Abroad sendet einerseits westliche Volunteercoaches, welche die einheimischen Coaches mit zusätzlichem know-how, neuen Methoden und Ideen etc. unterstützen, andererseits wird ein monatliches Vereinsbudget zur Verfügung gestellt. Dieses deckt beispielsweise die Kosten für Getränke (während und nach dem Training, Matches), Transport zu Auswärtsspielen, zahlreiche Gebühren, die zwecks Teilnahme am städtischen Ligabetrieb anfallen, Behandlungen von Verletzungen und vieles mehr. Zudem wird mir ein für Ghanaische Verhältnisse mehr als akzeptables Salär bezahlt. Trotzdem rechne ich meinen Stundenlohn, basierend auf rund 60 Arbeitsstunden pro Woche, lieber nicht aus…;-)


Ich selbst war von Oktober 2008 bis März 2009 als Volunteer für Projects Abroad tätig, bevor ich schliesslich 10 Monate später als Angestellter zum insgesamt dritten Mal nach Ghana zurückkehrte.
Offen gesprochen war es alles andere als einfach, betreffend gewisser Dinge einen Konsens zu finden. Entscheidend für mein Engagement war letztenendes wohl die Zusammenarbeit mit meinem guten Freund David, welcher mir ebenfalls im Dienste von Projects Abroad mit Rat und Tat zur Seite steht.

Kurz und bündig sieht die ganze Sache dann wie folgt aus: Projects Abroad schafft die Vereinsstrukturen und stellt die finanziellen Mittel zur Vereinsführung bereit (dabei handelt es sich um mehr Geld als man anzunehmen geneigt sein könnte), zudem bemüht man sich, westliches Coaching-know-how miteinzubringen. Wings for Ghana unterstützt dies (gemeinsam mit Goals 4 Ghana, ehemaligen Volunteers etc.) mit Fussballutensilien. Hauptaugenmerk liegt jedoch darauf, den Jungs, die ich während meiner Zeit als Volunteer ausnahmslos in mein Herz geschlossen habe, den kostenpflichtigen Schulzugang zu ermöglichen, um somit Perspektive für diejenigen zu schaffen, welche jenseits sämtlicher Privilegien in Umständen aufwachsen, welche mich von Anfang an erschütterten und den Wunsch in mir auslösten, etwas von dem unverdienten Privileg, in materiellem Wohlstand aufgewachsen zu sein, zurückzugeben – ja, effektiv 1 zu 1 zu 1 mitzuerleben ist etwas ganz anderes, als davon zu hören oder Bilder im TV oder sonstwo zu sehen.

Man kann es nun, je nach persönlichem Gutdünken, Schreibmüdigkeit oder Faulheit nennen, aber den emotionalen Teil verschiebe ich auf in ein paar Tagen – man möge es mir verzeihen.