...man ist ja schliesslich immernoch (auch) Schweizer, und auch wenn Ghana mein Herz im Sturm erobert hat, würde ich an der WM 2010 bei einem Aufeinandertreffen der Schweiz mit Ghana der Schweiz die Daumen halten... Ja, die Heimat hab ich halt auch irgendwie lieb.
Nun, in den letzten Monaten ist einiges passiert, darum erzähl ich euch das ganze einfach mal mehr oder weniger chronologisch, was einige Zeilen in Apsruch nehmen wird. Ich glaube aber es lohnt sich, weiter zu lesen, und apelliere darum an euren Durchaltewillen ;-).
Mitte Juli machte ich mich mit 6 mit Fussballutensilien vollgestopften Taschen auf den Weg nach Ghana. Ziel dieser Aktion war lediglich, das ganze gesammelte Material an seinen Bestimmungsort zu bringen und Fotos für die grosszügigen Sponsoren zu schiessen.
Nun, mir war schon vor meiner Abreise klar, dass das Aufkreuzen mit 6 Taschen am Ghana'ischen Zoll mich unter Umständen in eine äusserst prekäre Situation hinein manövrieren könnte, denn ich wusste, dass da Willkür & Korruption regieren... Gut möglich also, dass von mir 1'000 Dollar Zoll verlangt werden - ohne jegliche Rechtsgrundlage versteht sich.
Am Flughafen-Gate in Kloten sprach ich dann irgendeine schwarze Lady an: "Accra"? Als dies mit einem Nicken erwidert wurde, erzählte ich ihr von meinem Problem und fragte, ob meine Bedenken berechtigt seien. Sie bejahte, stellte sich als Leiterin mehrerer Schulen in und um Accra vor und und schlug vor, dass sie mein Gepäck als Spende für ihre Schulen deklarieren würde - ich solle einfach daneben stehen und ja meine Klappe halten. Gesagt - getan; ich konnte alles ohne einen roten Rappen zu zu bezahlen durch den Zoll schleusen.
Am Flughafen Amsterdam kam man dann aufgrund einer längeren Wartezeit ins Gespräch. Ms. Bannerman (die Schulleiterin, heute nenn ich sie wahlweise Auntie Kate oder ganz einfach Mummy) hat entfernte Verwandte in der Schweiz und war auf der Beerdigung ihres Grossonkels. Zudem kehrte ihre Tochter 2 Tage später von einem Austauschjahr in der Schweiz nach Ghana zurück - gewohnt hat sie während einem Jahr in Eglisau (!!!). Auch ich wohne in Eglisau. Somit war das Eis endgültig gebrochen, und auch ich erzählte vom Zweck meines erneuten Ghana-Aufenthaltes und meinen Projekten.
Später wurde ich gefragt, ob ich denn schon Unterkunft hätte in Ghana. Da dem nicht so war (ja, so bin ich nunmal), bot sie mir an, mit ihrem Bruder, ihrem Neffen sowie ihrer Tochter in Nungua, etwas aussehalb von Accra, zu wohnen - kostenlos natürlich. Nach kurzem Zögern nahm ich mit dem Bewusstsein eines gewissen Risikos an - ich konnte ja auch entführt, gesteinigt und gefressen werden, wobei Letzteres aufgrund eines offentsichtlichen Mangels an Körpermasse ein nicht allzu grosser Genuss sein dürfte.
Am Ghana-Flughafen wurden wir dann von Auntie Kate's Bruder abgeholt und dann gings ab nach Nunga, einem Vorort von Accra wenn man so will. Mein neues zu Hause war ein für Ghana'ische Verhältnisse luxuriös eingerichtetes Häusschen (in der Schweiz würde man die Einrichtung mit viel Wohlwollen als "eher spartanisch" bezeichnen) - ist aber klar, wenn die Familie sich für Ihre Tochter ein Austauschjahr in der Schweiz leisten kann, müssen schon gewisse finanzielle Mittel vorhanden sein.
Die ganzen Fussballutensilien wurden dann zur Cantonments Youth Academy transportiert und nach Besprechung mit den einheimischen Coaches sowie dem Academy-Leiter so gerecht wie möglich verteilt respektive in Training (Bälle) und Spielbetrieb (Tenues) integriert. Und mir wurde bewusst: "Yes, ein fetter Smile meiner Kidies in Ghana bedeutet mir mehr als irgendein hochbezahlter Managerposten.
Als ich während meines Aufenthalts an der Academy einige meiner Jungs, welche sich die Senior Secondary School nicht leisten können ( Schule ist in Ghana nicht vollumfänglich staatlich finanziert) immer wieder beim täglichen herumhängen sah, viel es mir wie Schuppen von den Augen: "Es muss doch möglich sein, diejenigen der Jungs, welche aus finanziellen Gründen keine Schule mehr besuchen können, in eine von Kate's Schulen stecken zu können".
Und so sprach ich diese Thematik bei einem meiner allabendlichen Besuche in der Nungua Secondary School (Hautpschule von Kate, sie wohnt direkt im Schulkomplex) an. Sie meinte, dass dies eigentlich nicht möglich sei, da ihre Schulen Privatschulen seien und nur Schüler mit guten bis sehr guten Leistungen aufnehmen könnten. Da ich aber ein Mitglied der Familie sei und sie mein Einsatz für benachteilgte Landsleute extrem beeidrucke... sei sie gerne dazu bereit, meine Jungs aufzunehmen! Nach einer meines Erachtens genialen Rede vor den Academy-Jungs versuchten wir herauszufinden, wer denn effektiv finanzielle Unterstützung nötig hat - eine äusserst delikate Aufgabe.
Mitte Oktober dieses Jahres beginnen nun vorab 10 Jungs mit der Senior Seocondary School in der 20 Gehminuten von der Academy entfernten St. Pauls Schule. Die Kosten belaufen sich dabei auf 100 Franken pro Trimester + einmalige Startgebühr von nochmals 100 Franken. Sprich, auf die 3-jährige Dauer ausgerichtet, macht dies pro Schüler CHF 1'000 (3 x 300 + 100).
Dies ist, verglichen mit Ghana's staatlichen Schulen teuer, ich unterlass es jetzt aber mal, die Zusätnde dieser Schulen zu beschreiben...
Wie die Schulgelder beschafft werden sollen, lest ihr etwas weiter unten.
Nebst dem Schulprojket führte ich auch einige Gespräche mit dem von der britischen NGO Projects Abroad angestellten Academy-Leiter. Dieser erklärte mir ein Konzept, welches er neu für die Academy ausgearbeitet hat, um diese kurz- bis mittelfristig betreffend Organisaton auf Vordermann zu bringen, und langfristig eine Vorzeige-Academy aufzubauen. Dieses Konzept sieht unter Anderem vor, dass die Cantonments Youth Academy ab 2010 neu von 2 von Projects Abroad angestellten, einem so genannten "Technical Director" sowie einem "General Manager" gemeinsam geleitet wird. Der Techical Director ist für den Fussballbetrieb zuständig, der General Manager für alles Andere, sprich die neu mögliche Zusammenarbeit mit de Nungua Secondary School, das ganze organisatorische Drumherum etc. Das neu definierte Motto des ganzen Unterfangens lautet wie folgt:
Durch die Kombination von Bildung und Fussball soll möglichst vielen benachteiligten Ghana'ischen Kindern und Jugendlichen die Chance zur Verwirklichung ihrer Träume "geschenkt" werden.
Als ich mir dieses Konezpt durch den Kopf gehen liess, liess ich mein bisheriges Ghana-Engagement Revue passieren. Ich war ein knappes halbes Jahr lang als Volunteer mit Projects Abroad in Ghana und arbeitete als Coach an der zu 70% P.A. gehörenden Cantonments Youth Academy. Anschliessed stieg ich bei der neu gegründeten Organistation "Goals 4 Ghana" ein und kehrte quasi als Repräsentant von Goals 4 Ghana nach Ghana zurück, um gesammelte Fussball-Utensilien zu verteilen. Und mir wurde bewusst, dass der Weg anstatt "Projects Abraod gegen Goals 4 Ghana" "Projects abroad UND Goals 4 Ghana" heissen muss. Gemeisam ist man bekanntlich stärker! Und auch wenn teilweise unterschiedliche Vorstellungen und Ideen da sind, sollte es irgendwie möglich sein, Kompromislösungen zu finden.
So nahm ich schliesslich Kontakt mit der Projects Abroad Führung auf, und Ende September waren wir uns über alle Punkte einig - ich übernehme ab Februar 2010 das Amt des General Managers, werde von Projects Abroad mit einem den Ghana'ischen Lebenskosten enstprechenden Salär entlöhnt, zudem werden mir die Flüge bezahlt.
Bis Ende Jahr geht es nun primär darum, die Finanzierung der Schulgebühren einerseits vorerst, andererseits auch möglichst nachhaltig sicher zu stellen. Konkret bedeutet dies, das bis Ende Jahr mindestens 5'000 Franken zusammengekratzt werden müssen - je mehr desto besser versteht sich.
Dies soll einerseits über einmalige Spenden sowie Patenschaften funktionieren, andererseit über Benefiz-Events wie das am 20. Novmber stattfindende Konzert "Simon DL & Friends for Ghana". Detailiertere Infos dazu gibt es demnächst auf
www.ghanaconcert.infoSo, nun seid ihr endlich wieder mehr oder weniger up to date.
Big up & danke an Alle, die sich bis hierher durchgekämpft haben
Dominic